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Wandern |
Wandern mit Gerhard
Zuerst möchte ich mich für die zwei schönen Wanderungen bedanken die ich mit unserem Gauwanderleiter Gerhard Manzoni vom Markgräfler Turngau mitgemacht habe. Eine Tourenbeschreibung für zwei so schöne Wanderungen darf einfach nicht fehlen.
2-Tageswanderung
im Alpstein 26. -27. Juni
Nachdem die Wanderung um eine Woche
verschoben wurde (wegen schlechtem Wetter) traf sich die kleine Wanderschar in
Waldshut zur Fahrt nach Wildhaus im Toggenburg. Der Aufstieg durch das wenig
begangene Tobel (hinter der Sesselbahn zum Gamplüt) konnte man auch nur
erahnen, doch die ersten 300 Höhenmeter bis zum Fahrweg zur Alp Tesel wurden
durch den abwechslungsreichen Wanderpfad spielend überwunden. Weiter ging es an
der Alp Tesel vorbei zum Mutschensattel, wo sich Gerhard für die Überschreitung
des Roslenfirstes entschied. Natürlich war die Überraschung groß, als Gerhard
plötzlich aus dem Gipfelsteinmann eine ganze Schnapsbar heraus zog, aber er zählt
ja in dieser Region zu den Insidern und weis über Land und Leute gut
Bescheid.
Nachdem wir nun die 1160 Höhenmeter hinter
uns gebracht hatten, kam der Abstieg zur Bollenwees, 680 Metern an einem Stück,
was doch ganz schön in die Knochen geht. Beim gemütlichen Nachtessen in der
Bollenwees war aber alles schon wieder vergessen.
Mit einem Besuch in der Rheintaler Sämtiser Alp bei Werner und Lisabeth, wo wir
am liebsten sitzen geblieben wären, war der erste Wandertag fast vorbei. Aber
wir mussten wieder zurück ins Clubheim des SAC St. Gallen, wo wir unser
Nachtlager hatten. Wieder 200 Meter Aufstieg am Stiefelwändle vorbei und das
mit Taschenlampen.
Der Sonntag begann bei herrlichem Sonnenschein und einem gemütlichen Frühstück
in der Clubhütte Fählensee. Leider mussten wir auch wieder an die Heimfahrt
denken und so machten wir uns auf den Rückweg nach Wildhaus. Am Fälensee
entlang über die Häderen zur Zwinglipasshütte, wo wir eine kurze Rast
einlegten. Wieder 570 Meter Aufstieg, aber das war der Letzte, von nun an ging
alles Bergab bis nach Wildhaus, wo wir völlig zufrieden unsere Wanderschuhe
auszogen.
Durch die zwei tollen Wandertage mit Gerhard inspiriert meldete ich mich für die Bergeller Hochgebirgstour an.
Hochgebirgstour
Albigna - Passo Cacciabella – Bondo 17. -19. Juli
Mir wurde schon etwas mulmig, als alle Teilnehmer sich auf dem Parkplatz der
Albigna Seilbahn in Pranzeira (Graubünden) trafen, ganz besonders als Gerhard
und ein Kollege Pickel, Seil und Anseilgurte austeilten und kontrollierten. 8
Teilnehmer vertrauten 3 Tag auf die Führung von Gerhard, ob das gut geht?
Zuerst ging es ganz einfach mit der Seilbahn zum Albigna Stausee, wo uns Gerhard
auch gleich den versteinerten Albignageist in der Westwand des Piz Bakun zeigte.
Der Aufstieg zur komfortablen Albigna–Hütte, in der wir unsere erste Nacht
verbrachten war problemlos und einfach, aber was dann kam! Klettergurt anziehen,
über Felsblöcke gehen und abgeseilt werden, etwas Sicherheit im Umgang mit
Seil und Karabiner üben, alles für den nächsten Tag. Diese Aktion wurde
wohlwollend vom Hüttenwart beobachtet, da er die Gefahren des nächsten Tages
sehr gut kannte. Sonntagmorgen wieder zur Alpignastaumauer absteigen, wo alle
Teilnehmer auch gleich ihre Klettergurte anziehen mussten. Einige meinten es sei
noch nicht nötig, aber Gerhard lies sich nicht aus der Ruhe bringen und begründete
es damit „hier habe ich noch die Kontrolle ob alle richtig angegurtet sind“.
So machten wir uns an den Aufstieg zum Cacciabella Pass (2984m) und standen bald
vor unserem ersten Problem.
Gesichert von Michael, ein guter Kollege und erfahrener Alpinist, überquerte
Gerhard das steile Firnfeld, das über einer nicht ungefährlichen Felsplatte
lag und fixierte so einen Seilquergang, an dem die anderen Teilnehmer sich einhängen
mussten. Jetzt kam die Übung vom Vortag allen zugute und einige mussten auch
erfahren wie gut so ein Sicherungsseil sein kann. Weiter ging es zum Pass
hinauf, auch hier mussten wir doch an die 1000 Höhenmeter überwinden. Nach
einer kurzen, mit Drahtseil gesicherten Kletterei, standen wir dann in der
Scharte des Cacciabellapasses. Zur Überraschung von Gerhard war hier seit
seinem letzten Übergang sehr viel zur Sicherheit
verbessert worden. Der ganze Abstieg in Richtung Sciora-Hütte war mit
Edelstahl-Leitern und Ketten bis hinab auf das Schneefeld gut abgesichert. Man
sieht die Hütte und läuft und läuft soweit kann das doch gar nicht sein, und
doch dauert es noch 1,5 bis 2 Stunden bis wir an der Sciora-Hütte sind.
Lagerbezug, (zweite Übernachtung) trinken, essen und noch mal essen. Ja so eine
Überquerung macht auch hungrig, oder lag es am guten Essen das wir bekamen. Auf
jeden Fall haben alle „reingehauen“ bis die Küche nichts mehr hatte.
So gut gestärkt ging es am nächsten Tag über riesige Felsblöcke in Richtung
Sasc Furä-Hütte. Vorbei an der kolossalen Kulisse von Piz Gemeli, Cengalo und
Badile. Berge, die Gerhard und Michael als Kletterer sehr gut kannten. Über
riesige Gletschermoränen stiegen wir hinab bis wir einen Übergang zur „ Viäl“
hatten. Ab- und Aufstieg 600 Meter mussten ja wieder sein! Endlich hatten wir
den Höhenzug Sasc Furä erreicht und damit auch unseren höchsten Punkt des
Tages (ca. 2150 m). Der Abstieg nach Bondo (823 m) an der Sasc Furä Hütte
(1904 m) vorbei, wo sich alle nochmals stärkten, war dann für so erfahrene
Berggänger, die wir in diesen 3 Tagen geworden sind, eine kleine Auslauftour.
Gauwanderwart und Tourenleiter Gerhard hat uns mit dieser Tour gezeigt wie sicher man in den Bergen wandern kann, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden. Es werden für mich und sicherlich für alle Teilnehmer unvergessliche Stunden und Tage sein, die Gerhard uns mit diesen zwei Touren geschenkt hat.
Sonja Krießler FGG Todtmoos
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Liebe Wanderfreunde im MHTG,
als aktiver Tourenleiter im Schweizer Alpenklub,
mit Schwerpunkt Klettern und Hochtouren, allgemein Bergsteigen genannt, wurde
mir im MHTG das Fachgebiet "Wandern" übertragen und anvertraut.
Nun die übliche Frage, wandern was ist das, was sagt es mir, was verstehe ich
unter "Wandern"?
Wandern ist für mich mit zunehmendem Alter eine Art Lebensphilosophie geworden,
eine Bewegungsart, bei der Körper - Geist und Seele auf gleiche Weise aktiviert
werden. Auf jeden Fall sollte man so wandern, dass man am Ende des Tages sagen
kann " das war toll".
Natürlich gibt es auch verschiedene Bedürfnisse von leicht bis schwer, ob im
Schwarzwald oder in der Rheinebene, oder in den Bergen, je nach Charakter kann
eine Wanderung von der Zeit oder von der Wegstrecke leicht oder schwer sein.
Jeder sollte nach seiner Vorstellung wandern, es soll sich keiner überfordern
oder überfordert fühlen.
Es gibt eine Einstufung des Wanderns von T1 bis T6. Nachfolgend die etwas
vereinfachte Tabelle mit ihren Einstufungskriterien :
Grad
Weg/Gelände Anforderungen
T1
Wandern Weg gut gebahnt. Gelände flach oder leicht geneigt, keine
Absturzgefahr. Keine. Auch für Turnschuhe geeignet. Orientierung problemlos.
T2 Bergwandern Wege mit durchgehenden Pfaden und ausgeglichenen Steigungen.
Gelände teilweise steil, Absturzgefahr nicht ausgeschlossen. Trittsicherheit,
Trekkingschuhe sind empfehlenswert. Einfaches Orientierungsvermögen.
T3
Anspruchvolles Bergwandern Am Boden ist meist noch eine Spur vorhanden,
ausgesetzte Stellen können mit Seilen oder Ketten gesichert sein. Zum Teil
exponierte Stellen mit Absturzgefahr, Geröllflächen, weglose Schrofen. Gute
Trittsicherheit, gute Trekkingschuhe. Orientierungsvermögen nötig,
Grundkenntnisse im Bergsteigen erforderlich.
T4
Alpinwandern Wege nicht überall sichtbar. An gewissen Stellen braucht es die
Hände zum Vorwärtskommen. Gelände exponiert, heikle Grashalden, Schrofen,
einfache schneefreie Gletscher. Vertrautheit im exponierten Gelände, stabile
Trekkingschuhe. Gewisse Geländebeurteilung und gutes Orientierungsvermögen.
Alpine Erfahrung erforderlich.
T5
Anspruchvolles Alpinwandern Oft weglos, einzelne einfache Kletterstellen bis II.
Grad. Exponiertes, anspruchvolles Gelände, Schrofen, wenig gefährliche
Gletscher und Firnfelder. Bergschuhe. Sichere Geländebeurteilung, sehr gutes
Orientierungsvermögen, gute Alpinerfahrung und Kenntnisse im Umgang mit Pickel
und Seil.
T6
Schwieriges Alpinwandern Meist weglos, Kletterstellen bis II. Grad. Häufig sehr
exponiert, heikles Schrofengelände, Gletscher mit Ausrutsch- und grosse
Spaltengefahr. Ausgezeichnetes Orientierungsvermögen. Ausgereifte
Alpinerfahrung und Vertrautheit im Umgang mit alpintechnischen Hilfsmittel.
Bitte denkt daran, je mehr Erfahrung in den einzelnen Einstufungen vorhanden ist, umso schneller kann ich in die nächst höhere Einstufung einsteigen oder mit einem geübten Partner mitgehen, ohne Überforderung.
Und nun zum wichtigeren Teil des Wanderns (laufen
kann jeder) "sehen und hören", "riechen und fühlen". Die
vergessen geglaubten Eigenschaften in unserem Körper können wir wieder voll
aktivieren, in dem wir bewusst während dem Laufen, den Hirschkäfer am Wegrand,
die Blume in der Wiese oder die Wolken am Himmel wahrnehmen. So wie früher die
Jäger und Sammler, die wir einmal alle waren.
Ein lieber Wanderfreund hat mich einmal überrascht mit seiner Kenntnis in Wald
und Wiese. Auf meine Frage wieso er das alles kenne, gab er mir zur Antwort. Als
meine Enkel grösser wurden und ich mit ihnen spazieren ging, fingen sie an zu
fragen: Opa was ist das, Opa wie heisst diese Blume, Opa warum ist das so? Da
lernte ich die Natur erkennen, die Blumen und Tiere beim Namen nennen.
Nun frage ich Euch liebe Wanderer, müssen wir erst Opa und Oma werden, um die
Wunder und Schönheiten der Natur zu erkennen. Die Gedanken schweifen von
längst Vergangenem in die Zukunft, man lernt neue Gegenden kennen, das Wetter
bestimmen, Blumen erkennen, neue Freunde finden. Ganz einfach sich freuen an der
immer wieder neu werdenden Natur mit allem drum und dran, das verstehe ich unter
Wandern.
In diesem Sinn wünsch ich Euch ein gutes Wanderjahr.
Nun bitte ich, dass sich die einzelnen
Wanderführer bei mir melden. Ich will über Internet und Infoheft monatlich die
in den Vereinen angebotenen Wanderungen veröffentlichen, so dass auch Wanderer
aus verschiedenen Vereinen untereinander sich austauschen können.
Es soll nicht Wiesental oder Hochrhein sein, sondern Markgräfler Turngau.
Wanderer von Jestetten wären sicherlich auch an einer Wanderung im Wiesental
interessiert oder auch umgekehrt. Man muss nur die Möglichkeit haben sich
untereinander Auszutauschen.
Schöne Wandertage
Gerhard Manzoni